Du bist nicht mehr stolz auf dein Logo? Zeigst dich nicht gerne? Würdest am liebsten Tabula rasa machen, alles in die Tonne treten und einen komplett neuen Auftritt entwickeln lassen?
Wenn du dich hier angesprochen fühlst, dann atme jetzt erstmal tief durch! Bevor du viel Geld für ein Redesign bzw. ein umfassendes Branding ausgibst, werde dir klar darüber, warum du alles ändern möchtest. Was stört dich genau? Was gefällt dir an deinem Auftritt und was nicht, was funktioniert, was nicht?
Neben einem komplett neuen Look gibt es nämlich noch eine weitere Option, die dir helfen kann, dich wieder gerne und stolz da draußen zu zeigen. Die englische Sprache hat dafür ein wunderschönes Wort: Refresh. Gemeint ist eine „Auffrischung“ deines Brands, was durchaus auch eine (sanfte) Überarbeitung des Logos beinhalten kann.
Der Gedanke, nicht gleich alles über Bord werfen zu müssen sondern an der einen oder anderen Schraube drehen zu können, kann extrem entlastend sein. Deswegen möchte ich dir in diesem Artikel den Unterschied zwischen Refreshing und Rebranding erklären und dir ein paar Fragen und Denkanstöße an die Hand geben, mit deren Hilfe du die für dich richtige Entscheidung treffen kannst.
Brand-Refresh oder Redesign?
Zunächst: Gerade im Bereich Branding und Design werfen wir ja mit Anglizismen nur so um uns. Branding und Design, also Markenführung (ach nein, spätestens seit Andreas Freitag wissen wir ja, dass man Marken nicht führen kann …), also besser Markenentwicklung und Gestaltung.
Kann man sagen, muss man aber nicht, trifft den Kern außerdem auch nicht ganz. Es gibt, wie es mit Fachbegriffen häufiger der Fall ist, einfach keine adäquaten, voll und ganz stimmigen Übersetzungen. Marken-Auffrischung, Etwas-Bestehendes-überarbeiten-und-neu-gestalten, … Hm, na ja.
Ich mag die englische Sprache, hier funktioniert sie einfach besser und ich werde deswegen durchgängig die englischen Begriffe verwenden.
1. Brand-Refresh
- Erscheinungsbild und Botschaft werden modernisiert, um zeitgemäßer zu erscheinen
- Wiedererkennbarkeit und Verbindung zum aktuellen Erscheinungsbild bleiben erhalten
- Farbe oder Schriften können sanft verändert oder angepasst werden ohne die visuelle Verbindung zum bisherigen Logo aufzugeben.
Bei einem Brand-Refresh gilt es, die stimmige visuelle Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen herzustellen und die Wiedererkennbarkeit zu schützen.
Ein Brand-Refresh, und somit auch die „Auffrischung“ eines Logos, ist eine gute Entscheidung, wenn die Marke etabliert ist, einen starken Wiedererkennungswert hat, aber einen zeitgemäßeren Look vertragen könnte.
Lass es mich mal etwas flapsig erklären: Ein Brand-Refresh ist vergleichbar mit der Entscheidung, statt des ewigen Pferdeschwanzes die Haare ab jetzt auch mal offen zu tragen und T-Shirt und Jeans gegen Chino und die neue weiße Bluse zu tauschen. Funktioniert natürlich genauso auch umgekehrt. Ganz egal, auf jeden Fall wird deinem Umfeld die Veränderung auffallen, du wirst einen veränderten Eindruck machen, aber immer noch erkannt werden. Dein Verhalten ist gleich geblieben, denn du fühlst dich wohl in deiner Haut, bist mit dir im Reinen, weißt, wofür du stehst und zeigst das jetzt mit noch mehr Sicherheit.
2. Redesign / Rebrand
- Die (Marken-)Identität samt visuellem System und übergeordnetem Designkonzept wird neu entwickelt
Mögliche Gründe für ein komplettes Redesign:
- Die Neuausrichtung deines Business
- Eine veränderte Zielgruppe
- Du erreichst mit deinem bisherigen Auftritt immer die „falschen“ Kunden
- Deine Traumzielgruppe findet nicht zu dir
Hier kannst du nachlesen, warum ich mich vor zwei Jahren selbst für ein Rebranding von Delicioius Design entschieden habe und wie ich dabei vorgegangen bin:
https://deliciousdesign.de/neues-logo-fuer-delicious-design-teil-1/
https://deliciousdesign.de/neues-logo-fuer-delicious-design-teil-2/
Um in unserem Beispiel zu bleiben: Beim Rebranding oder Redesign ist es nicht unwahrscheinlich, dass du mit einem komplett neuen Haarschnitt und einer anderen Haarfarbe den Friseursalon verlässt. Dass du jetzt eine Brille statt Kontaktlinsen trägst, dass die Menschen zwei, oder sogar dreimal hinschauen müssen, um dich überhaupt zu erkennen („Andrea, bist du das???“). Was aber fast noch wichtiger ist: Du verhältst dich auch ein bisschen anders als zuvor. Eindeutiger und klarer. Hast für dich stimmige Werte definiert, Erkenntnisse über dein Warum gewonnen und bist in der Lage, ganz präzise zu formulieren, was du kannst, für was du stehst, was mit dir geht und was nicht und mit welchen Menschen du dich umgeben möchtest.
Im Grunde geht es immer darum, dass absolut klar sein muss, was genau du warum tust und wem du damit wie hilfst. Und dass du genau das in weniger als drei Sätzen beschreiben kannst. Vereinfacht gesagt, dass du dich mit deinem Business gerne und stolz zeigst.
Was kannst du für ein Brand-Rrefresh tun?
Nimm dir bei nächster Gelegenheit etwas Zeit und schau dir mal ganz in Ruhe deinen Außenauftritt an. Eventuell kann eine „Auffrischung“, bzw. eine stimmige Überarbeitung deiner bestehenden Branding-Elemente dein Business enorm voranbringen. Vielleicht bist du deiner Kernbotschaft auch schon näher als du denkst.
4 Anregungen für dein eigenes Brand-Refresh
1. Logo
Macht es Sinn, dein Logo insgesamt etwas zu vereinfachen oder evtl. auch ein klares, aussagekräftiges Element hinzuzufügen?
Könntest du deinen Logofont durch eine ähnliche aber etwas modernere Schrift ersetzen? Guck doch mal hier und lass dich inspirieren: Bei MyFonts kannst du nach Schlagworten suchen und dir passende Schriften anzeigen lassen.
Schau dich mal in dem Farbraum deiner Logohauptfarbe um: Gibt es eine Nuance dieses Farbtons, die stimmiger oder auch zeitgemäßer deine Aussage unterstreicht als die aktuelle? Oder kannst du deinem Branding zusätzlich eine auf die Hauptfarbe des Logos abgestimmte Farbpalette hinzufügen?
2. Tagline
Wenn du eine Tagline, bzw. einen Claim hast (und das solltest du!), dann sprich sie jetzt gleich mal vor dir selbst laut aus. Wie hört sie sich in deinen Ohren an? Ist damit absolut klar, was du machst? Klingt sie eventuell zu geschäftsmäßig, zu abgedroschen, zu nüchtern, zu blumig, zu beliebig? Könnte sie echter klingen, mehr „nach dir“? Könnte sie klarer und präziser sein?
Wenn du hierzu mehr Input brauchst, empfehle ich dir diesen Artikel, der dir hilft, eine unwiderstehliche Tagline zu formulieren.
3. Bildsprache
Schau dir die Bilder auf deiner Website an. Ist das die Bildsprache, die deine Lieblingskunden anspricht? Drückt sie aus, was du sagen willst? Ist ein stimmiger, einheitlicher Look zu erkennen?
Für weiterführende Informationen zum Thema Bildsprache empfehle ich diesen Artikel von Angelika Güc.
Wie du auch alleine gute Bilder von dir selbst machen kannst, habe ich hier beschrieben.
4. Texte
Stell dir beim Texten deinen absoluten Lieblingskunden vor und richte deine Worte explizit an sie (oder ihn). Es wird dir um einiges leichter fallen, den richtigen Ton zu finden, wenn du diese Person immer vor Augen hast. In Anja Strassburgers Facebookgruppe Mehr Kunden durch bessere Texte findest du haufenweise weitere gute Tipps und hast außerdem jeden Freitag die Möglichkeit, dir Feedback zu deinen Texten geben zu lassen.
Wie zufrieden bist du mit deinem Außenauftritt?
Wenn du dich gerne und stolz mit deinem Business zeigst, gratuliere ich dir! Denn so soll das sein. Das ist ein richtig gutes Gefühl und gibt außerdem enorm Sicherheit und eine große Portion Selbstvertrauen.
Wenn du nicht ganz so glücklich mit deinem Branding bist hast du hier vielleicht die eine oder andere Anregung gefunden, über ein Brand-Refresh nachzudenken und deiner Marke eine kleine Frühjahrskur zu verpassen.
Wie auch immer, es interessiert mich auf jeden Fall sehr, wo du hinsichtlich deines Brandings gerade stehst und was deine aktuelle Herausforderung diesbezüglich ist. Ich freue mich, wenn du das in einem Kommentar teilst!
In diesem Sinne
Bleib einzigartig!
Hallo Martina, super Blogbeitrag. Du hast eine tolle, informative Website, werde gleich den Newsletter abonnieren. Und herzlichen Dank für die Erwähnung meines Artikels in Deinem Beitrag!
Sonnige Grüße, Angelika
Vielen Dank, liebe Angelika! Gute Artikel gehören verbreitet und dich empfehle ich als Expertin für Bildsprache immer wieder gern 🙂